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Tagungsbericht 2002

I. Begrüßung, Einführung und Ansprachen
Dr. Urmila Goel, Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)
Seine Exzellenz Rüdiger Lemp, Deutscher Botschafter
Seine Exzellenz Balram Singh Malla, Nepalischer Botschafter
II. Berichte der Teilnehmer über ihre Organisationen und ihre Aktivitäten
KMTNC -Deutsches Komitee-, Prof. Dr. Gunther Nogge
Deutsch-Nepalische Gesellschaft e.V. (DNG), Horst Lemmer
Königlich Nepalische Honorarkonsulat Hamburg, Dr. Peter Breiholdt
Hilfe für Maiti Nepal, Gereon Wagener
Little Stars - Kinder brauchen Zukunft, Bodo Wernicke
ARCO-Nepal e.V., Amphibien- und Reptilienschutz, Prof. Dr. Hermann Schleich
Licht für Bulupka, Dr. Peter Engels
Freunde Nepals e.V., Joachim Caspary
Kinder in Okhaldhunga, Christine Wilhelmi
Nepalprojekt der Helene-Lang-Schule, Dr. Walter Limberg
Misereor, Corinna Broeckmann
Nepalmed e. V., Dr. Arne Drews
Shanti Leprahilfe Dortmund e.V., Dorothea Grosspietsch
Nepalhilfe Aachen e.V., Claus-Peter Marzodko
Govinda Entwicklungshilfe, Rocco Umbescheidt
Nepal Pariwar, Dinesh Manadhar
Deutsch Nepalische Hilfsgemeinschaft e.V. (DNH), Susan Theissen
Nepra e.V., Ute Bein
Nepalprojektförderung Berlin, Margot Jaffé
Ganesha?s Projects e.V., Waltraud Böttcher
Health Post Himalaya, Thomas Zander
Kinderhaus Kathmandu, Lydia Schmidt
Interplast e.V., Christa Drigalla
Arbeitskreis Trekking und Erlebnisreisen (ATE), Klaus-Peter Grätz
Kiran Kinderhaus e.V., Inge Busch
III. Fragen und Diskussion
Gemeinsame Erklärung
I. Begrüßung, Einführung und Ansprachen

Honorarkonsul Ram Pratap Thapa, Vorsitzender der Deutsch-Nepalischen Gesellschaft e.V. (DNG), Köln, hieß zu Beginn der Veranstaltung zunächst alle Teilnehmer des achten NGO-Treffens Nepal ? auch in namen von Iris Kobek - herzlich willkommen. Danach begrüßte er den deutschen Botschafter in Kathmandu, Rüdiger Lemp, den Vorsitzenden des deutschen Kapitels der King Mahendra Stiftung, Prof. Dr. Gunther Nogge, die Repräsentantin der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), Dr. Urmila Goel und den Königlich Nepalischen Honorarkonsul in Hamburg, Dr. Peter Breiholdt. Jochen Kenneweg vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie Sabine Jüngling von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ließen sich entschuldigen, wünschten jedoch allen Teilnehmern weiterhin viel Erfolg. Der nepalische Botschafter Balram Singh Malla traf erst am Nachmittag ein. Er bedankte sich allen Beteiligten, die sich für den Erfolg der Tagung eingesetzt haben, insbesondere aber den Vorstand des Hauses DEVK für die Überlassung der Tagungsräumlichkeiten und Iris Kobek, für die intensive Vorbereitung der Tagung. Sie ist extra aus Nepal eingereist und vertritt heute die Deutsch-Nepalischen Handelskammer und den Deutschen Entwicklungsdienst in Kathmandu.

Von den ca. 50 in Deutschland existierenden Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO), die für Nepal arbeiten, waren Vertreter von 25 dieser NROs, neun anderer Organisationen sowie mit Nepal in Verbindung stehender Institutionen und der Presse zu der Tagung erschienen. Thapa führte aus, daß das NGO-Forum Nepal versuche, mit allen deutschen Organisationen Kontakt zu halten und deshalb auch die Nichtanwesenden später über die Ergebnisse der Tagung informieren werde.

Der in Kooperation mit der FES herausgegebene Tagungsbericht 2001, eine Art deutsches NGO-Kompendium, solle weiter ergänzt, korrigiert und neu aufgelegt werden. Da die DNG sehr häufig Anfragen zu der Arbeit von deutschen Vereinen bekomme, habe sich das Buch schon jetzt als sehr hilfreich erwiesen. Mit der erneuten finanziellen Unterstützung der FES werde der Tagungsbericht zum achten NGO-Treffen Nepal einschließlich der verschiedenen Organisationsbeschreibungen Ende 2002 erscheinen.

Thapa forderte in seiner Ansprache mehr Transparenz aber auch Verständnis für Nepal, äußerte gleichzeitig jedoch seine Sorge und Wut über den Streit der führenden Politiker in Nepal, denen die eigenen Vorteile am wichtigsten scheinen, während das nepalische Volk unter den Unruhen leiden muß. Um gerade dieser Sorge Ausdruck zu verleihen, ohne sich aber in die politischen Angelegenheiten Nepals einmischen zu wollen, schlug er die Verabschiedung eines Memorandums der deutschen NGOs vor. Die Grundsatzentscheidung über den Sinn eines solchen Aufrufs und dessen Entwurf wurden am Nachmittag diskutiert.

Eigentlich sollte die 8. NGO-Tagung erst im Herbst stattfinden. Da der deutsche Botschafter, Rüdiger Lemp, nur Anfang Juni hatte teilnehmen können, wurde der Termin vorverlegt. Außerdem freute sich Thapa, daß Pravakar Rana, Geschäftsführer der Nepalisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer in Kathmandu, der zur Zeit ein Aufbaustudium in Berlin absolviert, auch zu der Tagung gekommen war. Er bedankte sich beim Vorstand der DEVK für die Tagungsräumlichkeiten und die gute Organisation sowie bei Iris Kobek, Beraterin bei der Deutsch-Nepalischen Industrie- und Handelskammer und Ansprechpartnerin des NGO-Forums in Nepal, die für die Vorbereitung der und Teilnahme an der Tagung aus Nepal angereist war. Sein weiterer Dank galt Iris Reuver und Inge Forst, Vorstandsmitglied der DNG, die an diesem Treffen weitere Ansprechpartner für Organisationsfragen zum Tagesablauf usw. waren und bei Annemarie Becker, die, wie auch schon im letzten Jahr, die Protokollführung der Tagung übernahm.

Zum Schluß wies Thapa auf drei kommende Veranstaltungen hin.

Dr. Urmila Goel Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), Bonn


Dr. Urmila Goel, die auch im letzten Jahr an der Tagung teilgenommen hatte, bedauerte, daß sich die Situation Nepals im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert hätte. Das damalige Diskussionsthema, ob Arbeiten der Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO) in den von Maoisten beherrschten Gebieten noch weiter durchgeführt werden können, sei auch dieses Jahr weiterhin aktuell und ihrer Meinung nach jedoch in einem noch gefährlicheren Umfeld zu sehen. Sie äußerte Bedenken, daß sich nach dem für Nepal schweren und ereignisreichen vergangenen Jahr die derzeitige Situation schnell entspannen werde. Demzufolge betonte Goel, daß es gerade jetzt wichtig sei, die noch junge aber schon angeschlagene Demokratie mit der momentan nur eingeschränkten Pressefreiheit, den Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten, der Auflösung des Parlaments, zu unterstützen.

Die FES nimmt den vollzogenen personellen Wechsel im Kooperationsbüro in Kathmandu zum Anlaß, die Arbeit in Nepal zu überdenken und der aktuellen Lage anzupassen. Der ehemalige Büroleiter Dr. Alfred Diebold ist bereits nach Deutschland zurückgekehrt, und ein nepalischer Mitarbeiter wird künftig in Zusammenarbeit mit dem Büro in Delhi die Arbeit vor Ort weiterführen. Es soll nicht nur kurzfristig auf die derzeitige Situation reagiert werden, sondern auch die mittel- und langfristigen Ziele der FES, d.h. die Förderung von Demokratie, sozialer Gerechtigkeit und Frieden weiterverfolgt werden, um Nepal nachhaltig unterstützen zu können. Die Tätigkeitsschwerpunkte der FES sind die Stärkung der demokratischen Strukturen, die Unterstützung der Medien in ihrer Rolle als politische Mediatoren, die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen gerade auch sozial benachteiligter Gruppen sowie die Förderung der Mitbestimmung von Frauen und der regionalen Kooperation in Südasien. Gerade in diesem Punkt kommt Nepal als kleines Land neben Pakistan und Indien eine besondere Rolle zu.

Ende Juli wird Goel und auch einer ihrer Kollegen aus Delhi zu Gesprächen nach Nepal reisen, um die Arbeitsbereiche der FES im Land weiter zu konkretisieren. Ihr Hauptanliegen war es, die Tagung zu nutzen, um von den Erfahrungen der teilnehmenden Organisationen zu profitieren und auch zu diskutieren, was möglich bzw. realisierbar sei. Goel bedankte sich bei der Deutsch-Nepalischen Gesellschaft und Ram Pratap Thapa für die Zusammenstellung und Herausgabe des Handbuches und die jährliche Organisation des NGO-Treffens Nepal. Besonderer Dank galt dem deutschen Botschafter dafür, daß er es ermöglichen konnte, auch dieses Jahr dabei zu sein. Abschließend wünschte sie allen Anwesenden einen produktiven Tag und Nepal eine bessere Zukunft.

Seine Exzellenz Rüdiger Lemp, Deutscher Botschafter, Kathmandu


Einleitend bedankte sich der deutsche Botschafter Rüdiger Lemp für die ihm gebotene Möglichkeit, wie auch schon im September letzten Jahres, wieder an der Tagung teilnehmen zu können, obwohl normalerweise ein Herbsttermin üblich gewesen wäre. Wegen der Bundestagswahlen im kommenden September sei allerdings auch die Botschafterkonferenz in Berlin vorgezogen worden. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Nepal, die mittlerweile ein krisenhaftes Stadium erreicht hätten, sei seiner Meinung nach der Zeitpunkt gar nicht schlecht gewählt worden. Zudem fiele das NGO-Treffen auf den ersten Juni, dem Jahrestag der tragischen Ereignisse im Königspalast in Kathmandu. Rüdiger Lemp hob hervor, daß die Überwindung dieser schrecklichen Katastrophe vom ersten Juni 2001 immerhin gezeigt habe, daß das angeschlagene Staatswesen mit seinen häufig kritisierten Institutionen in der Lage gewesen sei, diese schwere Krise zu überstehen. Zwar seien die Probleme immer größer und akuter geworden, es hätte aber seiner Ansicht nach vergangenes Jahr noch sehr viel schlimmer kommen können. So wäre und sei er doch dankbar, daß das Schlimmste - der Ausbruch eines allgemeinen Chaos - nicht eingetreten sei. Die Institution der Monarchie bleibe weiterhin für die Zukunft Nepals und den Zusammenhalt des Landes sehr entscheidend. Nepal sei mit über 70 verschiedenen Ethnien und Sprachen ein sehr heterogenes Land, dessen Landessprache Nepali wohl nur die Sprache einer Minderheit bzw. der kleinste gemeinsame Nenner, eine Lingua Franca, darstelle. Entgegen vieler Voraussagen habe die Monarchie die Ereignisse im Königshaus überstanden und sich festigen können. Die weit verbreiteten Verschwörungstheorien würden wie im Fall Kennedys noch Jahrzehnte weiterleben.

Botschafter Lemp skizzierte die Entwicklungen in Nepal seit dem Königsmord im Juni vergangenen Jahres wie folgt:

Im Juli 2001 trat Premierminister Koirala zurück, wobei er jedoch Parteivorsitzender blieb. Sein Nachfolger Sher Bahadur Deuba galt damals als der Mann, der einen Kompromiß mit den Aufständischen leichter zustande bringen könnte als Koirala, der sich gegenüber einer Dialogaufnahme mit den Maoisten, von der er sich nichts weiter versprach, sehr ablehnend verhielt. Deuba war nicht nur der Leiter Kommission, die sich mit den Ursachen des Konflikts befaßt hatte, sondern er war auch derjenige, der die Kontakte zu der maoistischen Bewegung offen gehalten hatte. Deshalb konnte er wohl auch gleich nach Amtsübernahme eine Waffenruhe ausrufen und die Dialogphase einleiten, die dann immerhin über vier Monate andauerte. Wichtig ist hierbei allerdings die Feststellung, auf welche Art und Weise die Maoisten den Dialog letztendlich abbrachen. So bereiteten sie bereits während der Verhandlungen die nächsten Angriffe vor und schienen damit von vornherein mit bösen Absichten den Gesprächen zugestimmt zu haben. Diese Tatsache spielt eine große Rolle bei den jetzigen Überlegungen, wie erneut ein Dialog mit den Maoisten begonnen werden könnte. Versuche der Maoisten in Richtung Wiederaufnahme des Dialogs wurden von der Regierung sehr schnell zurückgewiesen, was für Außenstehende vielleicht zu übereilt und brüsk getan wurde. Hier muß man jedoch berücksichtigen, daß Deuba tief erschüttert und betroffen darüber war, wie er betrogen und hintergangen wurde, obwohl er sein ganzes Prestige eingesetzt hatte, den Dialog zu einem guten Ende, d.h. zu einem realisierbaren Kompromiß zu führen. Er hatte auch selbst unter großen Schwierigkeiten vor, sich auf einen Dialog einzulassen, von dem er annahm, daß dieser nur der Konsolidierung der Maoisten und der Vorbereitung der nächsten Angriffswelle auf einer vielleicht höheren Eskalationsebene dienen würde. Wenn auch die Art der Zurückweisung etwas zu brüsk war, ist das Dilemma, in dem Deuba sich befindet, nachvollziehbar. So müßte nächstes Mal zumindest dafür gesorgt sein, daß der Waffenstillstand auch überwacht wird. Beim letzten Mal hatten zwar die Angriffe auf Polizeistationen aufgehört, die Maoisten konnten jedoch durch brutale Einschüchterungsmethoden ihre Position weiter ausbauen. In dieser Zeit wurden politische Funktionäre/Entscheidungsträger beider großen politischen Parteien angegriffen und sogar umgebracht. Es konnte deshalb nur von einer eingeschränkten Wafferuhe gesprochen werden und zwar im Sinn einer Aufgabe des bewaffneten Kampfes.

Am 23. November 2001 erfolgten Angriffe auf die Armee. Nur schwer zu erklären ist, warum die Maoisten von sich aus die Armee angriffen, wobei sie ihr große Verluste zufügten und moderne Waffen erbeuteten. Nunmehr war es der Armee nicht mehr möglich, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Am 26. November 2001 wurde der Ausnahmezustand einschlieâlich der Einschränkung der Grundrechte verhängt, die Armee mobilisiert und Antiterrorgesetze verabschiedet. Experten streiten sich, ob die Ausrufung des Notstands wirklich notwendig war, da die auf zwei Jahre ausgelegte Antiterrorgesetzgebung bereits gezielt härtere Maßnahmen sowie gewisse Einschränkungen der Grundrechte vorsieht. Nach Ausrufung des Ausnahmezustands gab es zunächst überraschenderweise noch mehrere Großangriffe der Maoisten in Zeitabständen von etwa einem Monat. Dies zeigte einmal mehr, daß auch die Armee nicht in der Lage ist, die Aufstandsbewegung schnell zu besiegen.



Erst kürzlich ist der schon lange anschwellende interne Konflikt innerhalb der regierenden Kongresspartei offen ausgebrochen. Premierminister Deuba verfügte nicht mehr über die Mehrheit seiner Partei, so daß ihm der Parteiausschluß aus eher nichtigem Anlaß drohte. Koirala, der Parteivorsitzende, und die auf ihn hörende Mehrheit im Zentralausschuß der Partei haben Deuba kritisiert, weil er, ohne die Partei genügend einzubeziehen, eigenmächtig über die Verlängerung des Ausnahmezustands entscheiden wollte. Deuba schlug daraufhin dem König vor, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen für den 13. November 2002 anzusetzen. Der König zögerte nicht, diesen Vorschlag anzunehmen und versuchte auch nicht, den Konflikt zu lösen und die Politiker zur Besinnung aufzurufen. Begründete Zweifel bestehen, ob es bei der gegenwärtigen Lage überhaupt möglich sein wird, innerhalb von sechs Monaten faire und freie Wahlen abzuhalten. Da die Einhaltung dieser Frist laut Verfassung jedoch unbedingt notwendig ist, wäre, wenn es nicht zu den Wahlen käme, auch die Verfassungskonformität nicht mehr gegeben. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob Deuba diese Zeit im Amt als geschäftsführender Premierminister durchhalten kann. Drei Minister sind aus Angst vor dem Parteiausschluß bereits zurückgetreten, um sich nicht für immer ins politische Abseits zu manövrieren. Dazu gehörte auch Finanzminister Dr. Mahat. Trotzdem könnte die Koalition zwischen Deuba, Armee und König eine ausreichende politische Stabilität versprechen, wobei die zukünftigen Entwicklungen nicht abzusehen sind. Auszuschließen wäre jedoch eine Distanzierung von der seit 1990 in Nepal verankerten Parteiendemokratie, die sich nach Meinung der meisten Nepali bis heute nicht bewährt hat.

Es gab jedoch nicht nur die eskalierenden Angriffe der Maoisten auf Armeestützpunkte, sondern seit Anfang dieses Jahres haben die Maoisten auch zunehmend Infrastruktureinrichtungen, wie z.B. Brücken, Wasserversorgungsanlagen und Kraftwerke zerstört. Eine für die deutsche Regierung sehr besorgniserregende Entwicklung, da gerade mit deutscher Hilfe ein Wasserkraftwerk am Middle Marsyangdi im Distrikt Lamjung gebaut wird. Nunmehr stellt sich die Frage nach der Sinnigkeit der Baumaßnahme, da nicht auszuschließen ist, daß auch dieses Objekt angegriffen werden könnte. Es ist nicht möglich, solche Baustellen militärisch vollständig abzusichern und zu schützen. Mittlerweile wurden mehrere Baulager und ein Armeestützpunkt zur Bewachung des für das Projekt benötigten Sprengstoffs eingerichtet. Immer häufiger berichten nepalische Mitarbeiter und NGOs, die für die Geberländer die Projekte vor Ort durchführen, über maoistische Schutzgelderpressungen unter der Bedrohung des eigenen Lebens oder das der Familienmitglieder. Die Geber haben die gemeinsame Vereinbarung getroffen, die Aktivitäten der Maoisten nicht zu unterstützen. Auf der anderen Seite sind Übergriffe der Sicherheitskräfte zu beobachten, die sogar bis hin zu Folterungen reichen. In einem belegbaren Folterungsfall wurde ein Brief des Missionschefs der Europäischen Union an den nepalischen Premierminister und Armeechef mit der Bitte um Aufklärung übermittelt. Daraufhin wurde versichert, den Fall innerhalb von zwei Wochen aufzuklären. Bei den Opfern wurde sich letztlich offiziell entschuldigt, was das Geschehene zwar nicht ungeschehen machte, aber bisher einzigartig war. Dies zeigt, daß Deutschland als einer der stärksten Entwicklungspartner Nepals mit dem Druckmittel EU das Verhalten der nepalischen Regierung doch beeinflussen und mitunter weitere Vorfälle dieser Art verhindern kann. Botschafter Lemp bat die Teilnehmer, Vorkommnisse dieser Art der deutschen Botschaft in Kathmandu zu melden, da solchen Vorfällen mit allem Nachdruck nachgegangen werden müsse. In gewisser Weise meinte er, sei, was die Intensität gewaltsamer Übergriffe angehe, der Höhepunkt schon überschritten. Die maoistische Gruppe scheint angeschlagen und weniger bereit, Großangriffe mit mehreren tausend Mann durchzuführen. Nach Einschätzung der Geberländer wird es jedoch noch sehr lange dauern, die Maoisten entscheidend zu schwächen, wobei eine Bewegung dieser Art mit reinen Gewaltmaßnahmen nicht zum Stillstand gebracht werden kann. Dies erscheint schon allein aufgrund der geographischen Gegebenheiten Nepals unmöglich. Am Ende der Auseinandersetzung werden zwangsweise Verhandlungen notwendig werden. Allein offen bleibt, ob die maoistische Bewegung so straff genug geführt und in sich gefestigt sein wird, daß auch die Fußsoldaten oder der militärische Flügel sich auf eine wirkliche Kompromißregelung im Sinne einer Machtteilung einlassen würde. Kurz- bzw. mittelfristig scheint der Konfliktlösung durch die Etablierung einer regulären politischen Partei der Maoisten jedoch weitgehend unmöglich.

Neben der beschriebenen äußerst instabilen internen Lage des Landes macht der zwischen den zwei erklärten Nuklearmächten Indien und Pakistan herrschende Konflikt den ganzen Subkontinent zu einer sehr unruhigen Region. Die USA und Großbritannien haben bereits ihre vor Ort lebenden Staatsangehörigen zurückgerufen. In gleicher Weise wurden von den beiden Staaten Überführungsratschläge auch für Nepal ausgesprochen.

In London findet am 19. Juni 2002 eine Nepal-Konferenz statt, zu der alle wichtigen Geberländer und Nachbarn Nepals eingeladen wurden. Gemeinsam sollen geeignete Strategien für Antiterrormaßnahmen, Entwicklungshilfe, politische Maßnahmen, die Einhaltung der Wahrung der Menschenrechte entwickelt werden. Danach soll über ein koordiniertes Maßnahmenpaket abgestimmt werden.

Zum Schluß seiner Ausführungen zeigte sich der Botschafter Lemp sehr beeindruckt von der Größe und den vielseitigen Aktivitäten der NGOs. Er schätzte, daß noch viele weitere kleine Gruppen existieren, die meist über Trekkingtouren ihre Verbindungen zu Nepal geknüpft haben. In den Privatinitiativen sieht er einen wichtigen Grundpfeiler der bilateralen Beziehungen, dessen Bedeutung vielleicht sogar die der offiziellen Hilfe übersteigt. Nichtsdestotrotz ist Deutschland eines der wichtigsten Geberländer Nepals.

Seine Exzellenz Balram Singh Malla, Nepalischer Botschafter, Berlin


Der nepalische Botschafter Balram Singh Malla traf erst am Nachmittag ein. Dinesh Manandhar fungierte als Übersetzer, da die Tagung in deutscher Sprache weitergeführt wurde.

In seiner Begrüßungsrede dankte Botschafter Malla den Teilnehmern für die gute und stetige Unterstützung Nepals durch ihre NGO-Arbeit, lehnte allerdings gleich zu Beginn eine persönliche Stellungnahme und die Beantwortung von Fragen zu den aktuellen politischen Entwicklungen im Land ab. Generell spiele die Arbeit und das Engagement der NGOs überall auf der Welt in der Entwicklungshilfe eine wichtige Rolle. Sein verspätetes Eintreffen entschuldigte er durch anderweitige Terminverpflichtungen.

Die Regierung sowie der Privat- und der Nichtregierungssektor tragen zur Schaffung der Grundlage für jegliche Entwicklung bei, speziell in den ländlichen Gebieten und in den sozial schwachen bzw. benachteiligten Schichten. Als die wichtigsten Arbeitsfelder der zahlreichen auch an der Wurzel, d.h. auf dem sog.?grass root level? operierenden Freundschaftsinitiativen zählte er die Bereiche Gesundheit, Hilfe für Arme und Bedürftige, Fürsorge, Bildung, Umwelt u.a. auf. Er sprach den NGOs eine große Bedeutung bei der Festigung und Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen sowie der Schaffung eines besseren Verständnisses zwischen den beiden Ländern Deutschland und Nepal.

Nachfolgend den Wortlaut seiner Begrüßungrede:

?I would like to extend my hearty thanks to Mr. Thapa for inviting me to attend this meeting of NGOs, and it gives me immense pleasure to be here amidst you.

Non-Government Organisations are considered as the development vehicles of a nation. No matter whether a nation is developed or developing, the role of NGOs is paramount from all developmental aspects ? social, political, economic, technological, and others. Although, the importance of NGOs are national development perspective is increasing in every nation, all NGOs can not be categorized to the same level. How can an NGO be better is a crucial issue in the world.

Development is possible with the cooperative efforts of government, private and non-government sectors. In order to speed up economic and social development activities of the country, non-government sectors have already been involved as the partner. If NGOs be mobilised especially in the area of rural development, poverty alleviation, and in the development of the weaker section of the society who, due to social, economic and physical reasons, are unable to equally participate in and consume benefits of development, it will be possible to achieve targeted development outcomes.

The role of NGOs has become increasingly important in making various activities with its services and facilities to the grass-root level in Nepal.

I have noted with praise that a number of German NGOs for Nepal are playing an important role for the promotion of Nepal in Germany. The working fields of these NGOs are different, ranging from a friendship association to social and developmental projects in Nepal through educational support for the poor and needy school children, as well the infrastructural and insitutional support in the school level. The German NGOs are also providing their support in the health sector and few of them even giving homes to the orphans.

The German NGOs contribution to uplift the standard of the needy people through various socio-economic activities is certainly praiseworthy.

The enthusiastic support and activities of the German-Nepal Help and Friendship associations, located in different parts of Germany also establish a linkage between Nepal and Germany and the activities being carried by them contributing further to strengthen the goodwill and understanding between our two countries.

Finally, once again with my words of sincere thanks to your kind supports, thoughts and determinations I wish for your continued success.

Thanks a lot for your attention.?

II. Berichte der Teilnehmer über ihre Organisationen und ihre Aktivitäten

KMTNC -Deutsches Komitee-, Prof. Dr. Gunther Nogge


Das deutsche Chapter unterstützt die Aktivitäten der nepalischen Stiftung, King Mahendra Trust for Nature Conservation, die in Nepal ins Leben gerufen worden ist. Die vor 20 Jahren in Nepal gegründete Stiftung wurde nach einem früheren nepalischen König benannt, der viel für den Naturschutz in Nepal getan hat. Sogenannte ?Chapter? der Stiftung wurden in Großbritannien, den USA, verschiedenen europäischen Ländern, Japan und schließlich auch in Deutschland eingerichtet. Die Gründung des deutschen Komitees ist Ram Pratap Thapa zu verdanken, der gemeinsam mit Dr. Nogge die Gründung des Vereins initierte. Mittlerweile setzt sich das Komitee aus 40 bis 50 Naturliebhabern zusammen, die Naturschutzaktivitäten in Nepal neben der Beratung mit Spenden unterstützen. Die Tragödie im nepalischen Königshaus letztes Jahr hatte auch ihre Auswirkungen auf die Stiftung, deren Schirmherr immer der König war und nach wie vor ist. Ein Wechsel hat allerdings inzwischen stattgefunden, daß der Vorsitz, den ehemals der jetzige König Gayendra Bir Bikram Shah Dev innehatte, von seinem Sohn, dem Kronprinzen Paras, übernommen wurde. Das deutsche Kapitel der King Mahendra Stiftung hat ein anderes Logo als die Mutterstiftung gewählt und zwar den kleinen Panda, der dafür als sehr ansprechend und geeignet erschien. Die DEVK stiftete zum 100jährigen Firmenjubiläum ein Panda-Gehege. Neben dem Panda-Gehege weist seit kurzem ein Informationsschild auf die Arbeit der King Mahendra Stiftung hin, insbesondere auf das Annapurna Conservation Project (ACAP). Da die DEVK Nepal und vor allem der Stiftung immer sehr wohlgesonnen gewesen ist und mehrfach Projekte der Stiftung unterstützt hat, war Prof. Dr. Nogge, wie auch schon Ram Pratap Thapa, sehr froh darüber, daß die Tagung im Gebäude der DEVK stattfinden konnte. Abschließend wies er auf eine Sonderaustellung im Kölner Zoo über Parasiten mit dem Titel ?Leben und leben lassen? hin und lud alle Teilnehmer des Treffens zum anschließenden Zoobesuch ein.

Deutsch-Nepalische Gesellschaft e.V. (DNG), Horst Lemmer


Horst Lemmer, stellv. Vorsitzender der DNG, erinnerte an die Diskussion anläßlich des Nepal Tages Anfang Mai 2002 über die aktuelle Lage Nepals und die Sorge um die Zukunft des Landes, die im Laufe des Tages weiter fortgesetzt wurde.

Königlich Nepalische Honorarkonsulat Hamburg, Dr. Peter Breiholdt


Dr. Peter Breiholdt, Königlich Nepalischer Honorarkonsul in Hamburg erwähnte die vielfältigen Aufgaben eines Honorarkonsuls und verwies danach auf die Diskussion am Nachmittag, auch um den anwesenden Organisationen mehr Zeit für ihre Anliegen und die Vorstellung ihrer Arbeit zu geben.

Hilfe für Maiti Nepal, Gereon Wagener


Gereon Wagener engagierte sich die letzten zweieinhalb Jahre im Rahmen seiner Arbeit für die deutsche Unterstützerorganisation ?Hilfe für Maiti Nepal? (HFMN) in Kathmandu. Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, der nepalischen NGO Maiti Nepal durch Öffentlichkeitsarbeit, Spendenaufrufe, Medienarbeit usw. zu helfen. Wagener hatte schon 1999 an der NGO-Tagung in Wuppertal teilgenommen und damals das Caféprojekt für Maiti Nepal vorgestellt. Im Rahmen von Fundraising-Aktivitäten der Organisation kam der Kontakt zu einer privaten Stiftung in Deutschland, der Sonja Kill Stiftung zustande. Aus diesem Kontakt ist mittlerweile in Kathmandu ein neues Rehabilitations- und Schutzzentrum für 180 Kinder und 80 Frauen bzw. Rückkehrerinnen aus indischen Bordellen entstanden. Die NGO Maiti Nepal kümmert sich primär um Mädchen, die aus Nepal unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, etwa dem Versprechen lukrativer Arbeitsplätze, nach Indien verschleppt und dort an Bordelle verkauft wurden. Auch nach seiner Abreise aus Nepal arbeitet Wagener weiterhin für ?Hilfe für Maiti Nepal?. Die Arbeit soll jedoch zukünftig nicht mehr nur an eine oder zwei Personen gebunden sein, sondern als eine kontinuierliche Hilfe aufgebaut werden. Es existieren bereits von der Baumaßnahme der Sonja Kill Stiftung unabhängige, eigene Projekte bspw. die Unterstützung zweier sogenannter ?Transit Homes?. Hierbei handelt es sich um Grenzkontrollstationen, an denen Frauen, teilweise Rückkehrerinnen aus den Bordellen, zusammen mit der Polizei den Grenzverkehr kontrollieren. Diese Frauen hätten zu ihrem Selbstbewußtsein und einer neuen Lebenseinstellung zurückgefunden, erläuterte Wagener. Außerdem gibt es einen Kontrollpunkt in Dangkot, am Rande von Kathmandu an der Ausfallstraße nach Süden gelegen, der von den Mädchenhändlern bei der Verschleppung passiert werden muß. In den ersten fünf Tagen seien bereits fünf Mädchen befreit worden, fuhr er in seinem Bericht fort. Wagener bat die Teilnehmer, alle sonstigen Aktivitäten und weitere Informationen der bereitgestellten Organisationsbroschüre zu entnehmen.

Little Stars - Kinder brauchen Zukunft, Bodo Wernicke


Bodo Wernicke ist Gründungsmitglied des 1998 ins Leben gerufenen Vereins, der heute etwa 40 Mitglieder zählt. Die Motivation der Mitglieder liegt in der schon seit vielen Jahren bestehenden Liebe zum Land. Vor allem soll Kindern durch Vereinsprojekte vor Ort geholfen werden, da viele Vereinsmitglieder nepalische Kinder adoptiert haben und den Kontakt zum Land vertiefen bzw. ausbauen und auch den Familienzusammenhalt intensivieren möchten. Daraus haben sich die zwei Hauptziele des Vereins entwickelt. Zum einen die Integration aller in Deutschland lebender Kinder, die aus Nepal adoptiert wurden und zum anderen, die Initiierung und Durchführung von Hilfsprojekten zugunsten nepalischer Kinder direkt vor Ort. In Deutschland gibt es nach seinem Wissen rund 100 Kinder, die bisher aus Nepal adoptiert wurden, wobei bereits zu etwa der Hälfte unabhängig von einer Vereinsmitgliedschaft Kontakte bestehen. Zukünftig möchte der Verein für alle Interessierten ein Forum schaffen. Gerade mit zunehmenden Alter der Kinder erachtet Wernicke den Austausch mit Gleichgesinnten in Deutschland als besonders wichtig. Deshalb werden immer wieder Vorträge und Veranstaltungen zum Thema Adoption mit Bezug zu Nepal organisiert. Wernicke bat die Teilnehmer, die Vereinsadresse bzw. -information von Little Stars an Freunde und Bekannte, die ein nepalisches Kind adoptiert haben, weiterzugeben. In Zusammenarbeit mit dem von Hans Fluri geleiteten Arbeitskreis Adoption der DNG wird am 08/09.06.02 das zweite große Familienwochenende in Bonn stattfinden, eine für den Verein sehr wichtige Veranstaltung. Zu den Aktivitäten des Vereins in Nepal zählen die Ausstattung der Baby- und Kinderzimmer eines Waisenhauses der Nepal Childrens´ Organisation im Kathmandu-Tal. Des weiteren wurde für die Renovierung eines Hauses für behinderte Kinder in Pachhkal gesorgt, und für über 30 Kinder konnten Patenschaften vermittelt werden, um diesen einen Schulbesuch zu ermöglichen. Allerdings wünschen sich die Mitglieder zunehmend mehr eigene und selbst organisierte Projekte. Nachdem jedoch festgestellt wurde, daß das vorhandene Know-how nicht zum Aufbau einer eigenen Schule ausreicht, wurde ein förderfähiges Projekt gesucht und schließlich in Dhading gefunden. Dieses beinhaltet den Bau einer Schule in Dhading, ein nur wenige Stunden von Kathmandu entferntes Dorf mit etwa 50 Familien, die der untersten Kumal-Kaste angehören. Es wird ein Schulgebäude für 100 Kinder gebaut, das inzwischen fast fertig gestellt ist. Später sollen Paten gefunden werden, die die Schulkosten übernehmen und auch für die Gehälter der Lehrer aufkommen. Wernicke ist über die herrschende politische Lage besorgt, fügt aber an, daß die Aktivitäten seines Vereins momentan noch nicht stark betroffen seien. Er berichtete, daß in Nepal mittlerweile ein recht gutes Netzwerk existiere, einige der Mitglieder regelmäßig vor Ort seien und zur Zeit sogar drei Aupairmädchen aus Nepal in Deutschland arbeiteten. Da eine von ihnen im Oktober nach Nepal zurückkehren würde, interessierte er sich für Angebote bzw. die Vermittlung eines Arbeitsplatzes in Kathmandu.

ARCO-Nepal e.V., Amphibien- und Reptilienschutz, Prof. Dr. Hermann Schleich


ARCO e.V., eine Vereinigung, die sich vorrangig um den Artenschutz von Reptilien und Amphibien kümmert, wurde im Jahr 1998 von Prof. Dr. Hermann Schleich gegründet. Die Mitgliederzahl des Vereins ist mittlerweile auf insgesamt etwa 70 angewachsen. Vor 15 Jahren, als Prof. Dr. Schleich mit seiner Forschung begann, sind in Nepal nur 25 Amphibien- und Reptilienarten bekannt gewesen; heute sind es schon 180. Ein Großteil dieser Arten ist von der Ausrottung bedroht und fällt unter den internationalen Schutzstatus bedrohter Tierarten wie bspw. auch Elefant, Tiger, Nashorn usw. Bildungs- und Aufklärungsarbeit hat sich zu einem Tätigkeitsschwerpunkt des Vereins entwickelt. Schleich erklärte, daß der Verein die Herausgabe eines Handbuches für Asien und Nepal begeleitet habe, das sich zum Zeitpunkt der Tagung allerdings noch im Druck befände. Des weiteren würden Sonderaustellungen im Natural District Museum und Ausstellungskampagnen im Terai begleitet. Es wurden Kindermalbücher und Poster veröffentlicht und an Schulen im Süden des Landes verteilt, wo 15 der bedrohten Schildkrötenarten vorkommen. In Kassara, der Hauptverwaltung des Chitwan Nationalparks wird an der Entwicklung eines ?Education Center? gearbeitet. Laut Schleich seien die Planungen für dieses Bildungszentrum abgeschlossen und trotz des Wechsels in der Führung des Nationalparkdirektors auch bereits genehmigt. Neben dem Artenschutz engagiert sich die Organisation für Schulen, Aus- und Weiterbildung aber auch in einem Community District Projekt im Südosten Nepals zur Evaluierung der Möglichkeit des Aufbaus von Schildkrötenfarmen. Dies geschehe vor dem Hintergrund, daß in Nepal Schildkröten überall gefangen, geschlachtet und dann vermarktet werden. Letztes Jahr wurden erstmalig durch Spenden aus dem Tempel von Patan Schildkröten freigekauft und ausgesetzt. Bezugnehmend auf die aktuelle Situation in Nepal führte er aus, daß in Chitwan in letzter Zeit viel gewildert werde, insbesondere Nashörner, da durch die maoistischen Aktivitäten die Parkwächter auf weniger weit auseinander liegende Posten konzentriert worden seien, und die ungeschützteren Parkgrenzen Unbefugten das Eindringen in den Park erleichtert hätten. Auch sei eine Diplomarbeit behindert, die in Chitwan angefertigt werde, da nach 18 Uhr Ausgangssperre herrsche und sich nicht mehr im Park bewegt werden dürfe, also gerade zu den Zeiten in denen die Schildkröten aktiv seien.

Licht für Bulupka, Dr. Peter Engels


Dr. Engels koordiniert die Hilfe für die nepalische NRO Sagarmartha Social Service Committee, einem Dorfentwicklungskomitee. Das erste Projekt dieser NRO war der Bau einer Wasserleitung für das Dorf Bulupka. Nach den Wasserleitungsbauten wünschten sich die Bewohner Licht für ihre Häuser. In der offiziellen Planung war für Bulupka, Distrtikt Dolakha, für jedes Haus eine Heimsolaranlage vorgesehen. Das Rural Energy Development Project (REDP) der Regierung wollte 30 Prozent der Installationskosten tragen. Dr. Engels steuerte durch Spendensammlungen, Vorträge usw. die Hälfte des benötigten Geldes etwa 15.000 Euro bei. Auch dieses Teilprojekt der Dorfentwicklung ist bereits fast abgeschlossen. Die vom Verein Freunde Nepals e.V. im Jahr 1990 errichtete Schule wurde von der Dorfbevölkerung nicht angenommen. Nur wenige Familien haben Interesse an der Ausbildung ihrer Kinder, die jedoch dann die Schulen der Nachbardörfer besuchen. Dr. Engels sorgte jedoch zumindest für die Erhaltung des Schulgebäudes, das zur Zeit von Lehrern anderer Schulen bewohnt wird. Zu einer zeitweisen Projektbehinderung kam es nach Ausrufung des Ausnahmezustands, als die Polizei das für die Installation benötigte Baumaterial beschlagnahmte. Erst mit einem offiziellen Schreiben des Innenministeriums konnten im Mai 2002 die 17 Solaranlagen ausgelöst und installiert werden. Das fehlende Geld für die restlichen 36 Anlagen konnte mit Hilfe Thapas vor kurzem überwiesen werden, und so hoffte Dr. Engels, daß noch vor Beginn des Monsuns die fehlenden Anlagen fertiggestellt werden könnten.

Freunde Nepals e.V., Joachim Caspary


Der 1973 gegründete Verein Freunde Nepals e.V. in München mit inzwischen 500 Mitgliedern führt vor allem Projekte auf privater Basis durch, vermittelt aber seit kurzem auch Praktikanten nach Nepal. Im Internet wurden auf der Vereinswebseite links zu anderen deutschen NROs eingerichtet. Zu den Aktivitäten in Deutschland gehören regelmäßige Stammtischtreffen, die Organisation von Vorträgen, Wanderungen usw. In Nepal engagiert sich die Organisation in zahlreichen Bereichen, wie bspw. Dorfentwicklung, Ausbildung (Schulen), Gesundheit und dem Bau von Brücken. Die meisten Projektleiter sammeln das zur Projektdurchführung benötigte Geld selbst. Anneliese Dietrich leitet das größte Projekt des Vereins, eine Schule in Pukmochhe im Solu Distrikt. Es handelt sich dabei um eine Modellschule, die seit zehn Jahren besteht und mithelfen soll, die Kultur der Sherpas zu erhalten - auch durch den Unterricht in der Schriftsprache Sherpa. 60 Internatsschüler besuchen die Schule, die eine Boarding School und Lower Secondary School umfaßt. Die Lehrer der Schule dürfen an Fortbildungsprogrammen der Edmund Hillary Stiftung teilnehmen. Ein Wasserkraftwerk ?Micro Hydropower Station? zur Stromversorgung des Dorfes befindet sich in der Planung. Die Finanzierung des Kraftwerkes wurde größtenteils durch Subventionen der GTZ gedeckt. Mit dem Bau der Anlage kann jedoch aufgrund der gegenwärtigen Lage in Nepal nicht begonnen werden.

Anschließend trug Caspary folgende persönliche Kommentar zur derzeitigen Lage in Nepal, auch in Namen von Freunde Nepals vor.

?Nepal war wohl für uns alle immer ein Traumland. Herrliche, unberührte Natur, liebliche Kulturlandschaften, gewaltige Eisriesen und vor allem freundliche und fröhliche Menschen, welche in ethnischer und kultureller Vielfalt friedlich zusammen lebten und phantasievolle Kunstwerke schufen.

Also pilgerten wir seit der Öffnung des Landes in den 60er Jahren in Scharen dorthin, genossen die saubere Natur, die Gastfreundschaft der Bewohner, den billigen Aufenthalt und empfanden uns wie zurückgesetzt um mehrere Jahrhunderte in unsere eigene vorindustrielle Geschichte in eine Welt der Märchen- und Sagen, der Geister und Dämonen, der klappernden Mühlen am rauschenden Bach.

Wir entflohen der Hektik unseres Alltags, den Verklemmungen und Zwängen unseres christlichen Abendlandes, der Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden, dem Lärm der Maschinen und Autos, den teuren Hotels, dem Massentourismus, unserer eigenen Überorganisation und Regelungswut. Wir lernten erneut unsere eigene Kultur zu relativieren, das einfache Leben in der Natur zu genießen und auch den Genuss der langsam dahinfließenden Zeit.

Den Menschen in Nepal aber brachten wir Industrie, Plastik, Umweltverschmutzung, Geld und Geldgier. Wir brachten ihnen bei, die Natur auszubeuten, Straßen zu bauen und auf Berge zu steigen, um sie zu bezwingen oder einfach weil sie da sind. Wir lehrten sie, kurzlebige Industriegüter wie Moped und Taperecorder wichtiger zu nehmen, als schön geschnitzte Häuser. Wir lehrten sie auch Demokratie, Wissenschaften und die Erkenntnis ihrer eigenen Armut.

Wenn wir nun nach Nepal kommen, empfängt uns ein Moloch von Millionenstadt. Schwarzer Smog wabert im Kathmandutal wie Rauch in einer Schüssel. Wir überwinden gierige Gepäckträger am Flughafenausgang, fahren an brennenden Müllhaufen vorbei, in denen entwurzelte Straßenkinder mit Stangen nach Verwertbarem suchen, bleiben auf dem Weg zu unserem Hotel im Stau stecken, werden von Schwerbewaffneten kontrolliert. Die ehemals von uns bewunderte unbeschwerte Fröhlichkeit der Menschen, denen wir begegnen, ist einem verzweifelten Bemühen gewichen, den letzten Touristen, die sich noch hierher wagen, die von ihnen so ersehnte heile Welt vorzugaukeln.

Wir erfahren, dass die Monarchie weder mächtig, noch beliebt ist, das die Regierung in einem unvorstellbaren Ausmaß korrupt ist und die Parteien so zerstritten sind, dass sie sich laufend aufteilen, und ihre Führer sich gegenseitig bitter bekämpfen.

Wir erfahren, dass in verschiedenen Landesteilen ein blutiger Bürgerkrieg tobt und fast täglich Massaker begangen werden, sowohl von irregeleiteten Aufständischen, als auch von schlecht ausgebildeten und verunsicherten ?Sicherheitskräften?. Wie durch ein Wunder wurden die ausländischen Gäste bislang kaum beeinträchtigt. Jetzt hängt wie ein Damokles-Schwert die Gefahr über dem ganzen Volk, dass es nur noch der Verletzung oder des Todes einiger weniger Ausländer bedarf, um sowohl der Entwicklungshilfe als auch dem ebenso dringend benötigten Tourismus endgültig den Garaus zu machen. Aber eigentlich kann dies nur eine Frage der Zeit sein, denn weder Regierung noch Aufständische haben naturgemäß in diesen chaotischen Verhältnissen die Macht, solches zu verhindern.

Dann werden unsere Illusionen vom friedlichen Land des Brahma und des Buddha zerstört sein und uns die Realität von Gewehren und Bomben, Vergewaltigung und Mord, Entführung und Erpressung auch hier eingeholt haben, wie in unserer eigenen ?Zivilisation?.

Der Maoistenführer Dr. Baburam Bhattarai vergleicht seinen gegenwärtigen Kampf gegen Armut, Ungerechtigkeit, Korruption, Ausbeutung und Feudalismus mit den Revolutionen der Europäer im 17. bis 19. Jahrhundert. Seine Ziele mögen uns ja noch einleuchten, die grausamen Methoden empfinden wir jedoch als archaisch und abscheulich. Aber wieso erwarten wir eigentlich von dem Land, in das wir so gerne reisen, weil wir uns in unserer eigenen Geschichte wiederfinden, das sich dieses Land nicht auch die Fehler unserer Geschichte leisten darf? Haben wir nicht Hunderte von Jahren gebraucht, Feudalismus, Revolutionen, Totalitarismus und Kommunismus zu überwinden?

Ich glaube wir müssen uns langsam darauf einstellen, das Nepal auch im Zeitalter des Übergangs von der Industrie- zur Kommunikationsgesellschaft einfach seine Zeit braucht, um Anschluss an die globalisierte Welt zu finden. Wir dürfen unsere Freunde dort gerade jetzt in schwierigen Zeiten nicht im Stich lassen, müssen ihnen weiter beharrlich unsere Hilfe anbieten ohne überheblich zu sein. Welches Volk hat denn schon aus den Fehlern der anderen Völker gelernt? So wie jedes Kind geistig und körperlich die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Art durchmacht, so muss wohl auch jedes Volk die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Gemeinschaften durchmachen, mit allen ihren Höhepunkten und Rückschlägen.?

Kinder in Okhaldhunga, Christine Wilhelmi


Die Zusammenarbeit der Organisation Kinder für Okhaldhunga mit einer nepalischen NRO basiert auf dem Prinzip ?Hilfe zur Selbsthilfe?. Das Dorf Okhaldhunga, dessen Hauptanliegen die Schulbildung der Kinder war, wird bereits seit dem Jahr 1989 unterstützt. Mittlerweile existiert die Dorfschule, Shree Narajyoti Primary School, auch schon seit fünf Jahren. Der erste Jahrgang hat dieses Jahr die Schule verlassen und geht jetzt in die erste Klasse der Secondary School, Lower Level. Aufgrund der guten Leistungen und des Engagements der Lehrer und Kinder wurde die Einrichtung der Secondary School von der Regierung genehmigt. Bereits jetzt beschäftigt sich der Verein mit der Frage, welche Möglichkeiten die Kinder nach Abschluß der Secondary School haben, die nach drei Jahren entweder eine Berufsausbildung anfangen oder eine weiterführende Schule besuchen können. Deshalb sollen die für die Entwicklung der Region sinnvollen Berufe identifiziert werden. Patenschaften für die weitere Ausbildung der Schulabgänger werden auch bereits gesucht und sind teilweise sogar schon vermittelt. Außerdem wurde eine Gesundheitsstation ?Health Post? und ein Lehrerwohnhaus für die Lehrer der Secondary School gebaut, die beide von Überschüssen aus der Organisation und Leitung von Gruppenreisen finanziert wurden. Der Bau einer Brücke ist in Planung, da die existierende Holzbrücke während des Monsuns oft einstürzt, und ein Teil der Kinder die Schule in dieser Zeit nicht besuchen kann, können bzw. Dorfbewohner von der medizinischen Versorgung durch den Health Post abgetrennt werden. Der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) und das BMZ unterstützen das Brückenbauprojekt. Die Dorfbewohner haben bereits mit den Maoisten Kontakt aufgenommen, die versprachen, die Brücke nach Errichtung nicht zu zerstören.

Nepalprojekt der Helene-Lang-Schule, Dr. Walter Limberg


Die Nepalhilfe der Helene-Lange-Schule entstand 1988 aus einer Schulpatenschaft. Obwohl der Förderkreis sich stetig weiter ausgedehnt hat, wird er als nicht eingetragener Verein geführt. Da der Förderverein der Schule gleichzeitig auch der Trägerverein ist, können von diesem auch Spendbescheinigungen ausgestellt werden. Seit ungefähr fünf Jahren beläuft sich das Spendenaufkommen des Vereins auf etwa 125.000 Euro (250.000 DM) pro Jahr und insgesamt auf 750.000 Euro (1.500000 DM). In abgelegenen Gebirgsdörfern Nepals wurde der Bau von 17 Schulen unterstützt. Mittlerweile werden die Gehälter für 37 Lehrer gezahlt und insgesamt 34 Grundschulen und zwei Sekundarschulen gefördert. 1996 konnte ein kleines Krankenhaus mit zwei Krankenschwestern und einem Arzt eröffnet werden, der seit drei Jahren auch ein Programm zur Dorfentwicklung leitet. Auf Initiative von Mitreisenden ist vor zwei Jahren ein Waisenhaus in die Nepalhilfe integriert worden. Weitere Fördermaßnahme sei die Vermittlung von Stipendien für derzeit 20 Schulabgänger, schloß Dr. Limberg seine Projektdarstellung.

Misereor, Corinna Broeckmann


Broeckmann, zuständige Länderbearbeiterin für Nepal bei Misereor, führte aus, daß Misereor zur Zeit in Nepal etwa 20 Projekte mit Schwerpunkt in der ländlichen Entwicklung im Westen des Landes sowie auch in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Ausbildung von Sozialarbeitern fördere. Sie berichtete von einigen Projektschließungen wegen Bedrohungen der und sogar Ermordung von Mitarbeitern andere dagegen seien beschränkt möglich. Außerdem sprach sie sich für eine Vernetzung der NGOs bei der Friedensarbeit aus, wie bspw. die ?Collective Campaign for Peace (COCAP)?, ein Zusammenschluß von NGO-Vertretern/innen in und außerhalb Kathmandus. Den Versuch dieser Kampagne auf Politiker und Maoisten hielt sie für wichtig. Sogenannte ?Training of Trainers? zum Thema Konfliktmanagement wurden für Mitarbeiter der Organisationen ausgearbeitet. Diese sollen später wiederum das in dem Training angeeignete Wissen in anderen Workshops weitergeben. Ein Konzept, das Misereor für sehr wichtig halte, da Frieden nur von allen Gesellschaftsschichten, den oberen und unteren, geschaffen werden könne.

Nepalmed e. V., Dr. Arne Drews


Seit seinem Praktikum 1993 im Kathmandu Modal Hospital steht Dr. Drews in regelmäßigem Kontakt mit dem Krankenhaus und vermittelt medizinische Fachkräfte, Famulanten, Praktikanten und auch Dozenten nach Nepal. Darunter sind Mitarbeiter für die Unfallchirurgie, Pfleger für die Intensivstation aber auch Physio- und Ergotherapeuten. Weiterhin unterstützt er das Krankenhaus mit Verbrauchsmaterialien, aktueller Fachliteratur sowie Instrumenten, je nach Bedarf des Krankenhauses, wobei hier der Transport nach Nepal immer wieder Probleme bereitet. In Deutschland organisiert der Verein Vortragsabende an deutschen Universitäten und hat eine Vereinswebseite im Internet eingerichtet. Dr. Drews bemerkte, daß Nepalmed direkt bisher noch keine Probleme mit den Maoisten gehabt habe, die Opfer der Auseinandersetzungen jedoch in das Krankenhaus eingeliefert würden.

Shanti Leprahilfe Dortmund e.V., Dorothea Grosspietsch


Die Shanti Leprahilfe Dortmund habe Ihre Arbeit einst mit 15 Kranken begonnen und mittlerweile würden 800 Patienten versorgt, leitete Dorothea Grosspietsch die Vorstellung des Vereins ein. Man könne sich das Ganze als kleines Dorf vorstellen mit einer Hospiz, Ambulanz, Rehawerkstätten, Kindergarten, Gemûsegarten usw. Neben der Gesundheitsversorgung liege das Hauptaugenmerk auf den Kindern. Zwei Lehrerinnen aus England würden an der Schule mit Waldorf pädagogischem Vorbild unterrichten, fuhr Grosspietsch fort. Hape Kerkeling hatte für den Verein 500.000 Euro in einer Quizshow im Fernsehen eingespielt, ein Glück, daß sie selbst und auch die Mitarbeiter vor Ort in Nepal noch immer nicht richtig begreifen könnten. Mit diesem Geld solle die Außenstation in Budhanilkantha erweitert werden, um den landwirtschaftlichen Bereich weiter ausbauen zu können. Vor dem Hintergund des dort möglichen Landerwerbs würden die Patienten künftig größtenteils in Budhanilkantha leben. Die Repräsentanz in Kathmandu mit einem Ausstellungsraum fûr die produzierten Waren bleibe jedoch, wenn auch in einem kleineren Rahmen als bisher, bestehen. Des weiteren sei der Bau eines Internatheimes geplant.

Nepalhilfe Aachen e.V., Claus-Peter Marzodko


Die seit zehn Jahren existierende Aachener Nepalhilfe unterstütze und initiiere Projekte in ganz Nepal. Dazu gehören die sog. Amchi-Lamas (tib). Naturheiler), Wasserprojekte, Jugend- und Schüleraustausch, Krankenhaus, Schulen sowie auch die nepalische NGO Maiti Nepal. Marzodko nutzte die Teilnahme auch, um die Arbeit eines anderen kleinen Verein, der aus einem Jugend- und Schüleraustausch heraus entstanden sei. Dieser unterstütze das Sushma Koirala Krankenhaus und plane außerdem sich um eine Schule im Sargarmatha-Bezirk zu kümmern.

Kinderhilfe Nepal/Indien e.V., Jutta Schaut


Die Kinderhilfe unterstütze eine Boarding School in Kathmandu und seit 2000 auch eine Sherpaschule. Das Gebäude sei von einem anderen Projekt übernommen worden. Derzeit würden vier Vorschul- und vier Grundschulklassen unterrichtet. Nächstes Jahr solle ein fünfte Klasse eröffnet werden und damit würde auch der erste Schulabschluß erreicht. Seit einem halben existierten zwei Internatsgruppen, wobei der Druck mehr Internatskinder aufzunehmen sehr groß sei. Schaut meinte, die Bevölkerung erwartete mehr, als geleistet werden könne. Man versuche in der Schule den Montessoristil einzuführen und etwas vom in Nepal üblichen Unterrichtsstil abzuweichen. Im Rahmen der geleisteten Arbeit für Behinderte gebe es immer wieder Probleme beim Transport von Rollstühlen, Krücken usw. Als weitere Aktivitäten nannte sie den Bau eines Wasserkraftwerks für die Schule und das Internat, die Anschaffung von Solarkollektoren, die Verbesserung der Hygiene und Patenschaften für Kinder. In Deutschland würden Spenden mit der Organisation von Vorträgen und durch Aktionen von Schulen und Kirchengemeinden gesammelt. Unterstützung bekomme das Projekt auch vom ehemaligen Landwirtschaftminister Ang Tsering, fuhr Schaut fort. Bisher verliefen alle Gespräche mit den Maoisten problemlos, da das Projekt freien Zugang zur Bildung schaffe.

Govinda Entwicklungshilfe, Rocco Umbescheidt


Der Verein Govinda Entwicklungshilfe wurde anfangs von der Shanti Leprahilfe Dortmund unterstützt. Rocco Umbescheidt, der Gründer des Vereins, unterhielt zunächst aus eigenen finanziellen Mitteln ein Waisenhaus mit 15 Kindern. Mittlerweile seien 50 Kinder betreut von zehn Lehrern in einem Waisenhaus außerhalb Kathmandus untergebracht. Zusammen mit dem überwiegend in Afrika arbeitenden Partnerverein Bauen und Begegnen e.V. wurde in Neopane eine Regierungsschule für 537 Kinder gebaut. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollten insgesamt 600 Kinder die Schule aufgenommen werden. Mit den Schulgeldern der wohlhabenderen Familien sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre 50 Prozent der Kosten des Waisenhauses abgedeckt werden. Langfristig solle das Projekt selbsttragend sein. Da Privatschulen mit Schulgeldpflicht üblicherweise Ziel maoistischer Drohungen und Attacken sind, wurde ein Treffen mit zwei Maoistenanführern initiiert. Durch die detaillierte Darstellung des Projektes, vor allem der Ziele des Projektes, verlief dieses Treffen nach Umbescheidt erfolgreich. Als wichtigste Projektziele nannte er in diesem Zusammenhang, die Begünstigung der ärmeren Bevölkerungsschicht Nepals und die Zusammenführung von Kindern aus den oberen Kasten, bspw. Brahmanen und Newari, mit denen der niedrigeren Kasten. Seiner Meinung nach, könne Aufklärungsarbeit und bewußtes Handeln zu einer Einstellungsänderung bei der jüngeren Generation Deutschlands bewirken.

Nepal Pariwar, Dinesh Manadhar


Dinesh Manandhar kündigte das nächste von Nepal Pariwar einmal im Jahr veranstaltete Familientreffen für nepalische Familien und Adoptiveltern nepalischer Kinder am 14. und 15. September 2002 in Heidelberg an. Für diesen Tag sei ein vielfältiges und interessantes Programm geplant. Manandhar sah Probleme in der Kontaktaufnahme mit anderen in Deutschland lebenden Nepali, deren Anzahl nach seinem Wissen unbekannt sei. Er bat die anderen Teilnehmer, um Hinweise und Adressenaustausch.

Deutsch Nepalische Hilfsgemeinschaft e.V. (DNH), Susan Theissen


Susan Theissen von der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft mußte das Treffen aus Termingründen schon am frühen Nachmittag verlassen. Sie ließ jedoch ausrichten, daß der Status Quo der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft unverändert geblieben sei und deren Hilfsaktion in Nepal, unabhängig der erzeitigen Lage weiterlaufen werde.

Nepra e.V., Ute Bein


Ute Bein ist seit 1993 Vorstandsmitglied der 1987 gegründeten Nepra e.V. Die Zielsetzung des Vereins ist die soziale und wirtschaftliche Rehabilitation von Leprakranken. Es wurde eine Leprastation und -klinik am Pashupathinath-Tempel aufgebaut. Im Rahmen des Rehabilitationsprogramms wurden für die Leprakranken Kunstwerkstätten eingerichtet. Als weitere Aktivitäten des Vereins in Nepal führte Bein die Versorgung von Obdachlosen und Altenheimen und eine mobile Straßenklinik auf. Das nepalische Unternehmen New Sadle (New Skill and Development Learning Experience) arbeite nach Aussage Beins mittlerweile selbständig, eigenverantwortlich und motiviert in einem eigenen Haus. Die Pashupathinath Stiftung hat beschlossen den ganzen Tempelbezirk umzugestalten. Nicht zur Tempelanlage gehörige Häuser sollen im Juli abgerissen werden, darunter auch das von Nepra e.V. Bein beklagte, daß die finanzielle Kompensation nur einen Bruchteil des investierten Geldes ausmache. Die Bewohner der Pashupathinath-Station seien jedoch versorgt und sollen nach Boudha umziehen, wo New Sadle ein Grundstück erworben habe. New Sadle habe außerdem als neues Projekt eine Lepra-Kolonie in der Nähe des Chitwan Nationalparks bzw. von Birgunj übernommen, in der über 150 Menschen leben.

Nepalprojektförderung Berlin, Margot Jaffé


Zu Beginn der Initiative hatten Studenten während ihrer Trekkingaufenthalte Hilfsgüter nach Nepal gebracht. Um gezielt ein Projekt zu unterstützen, wurde 1997 schließlich ein Verein gegründet, skizzierte Jaffé den Hintergrund der Nepalprojektförderung. Wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten sei das bisher verfolgte Projekt jedoch nicht weiter tragbar gewesen und wurde eingestellt. Derzeit würden das Dhulikel Hospital und ein Projekt für behinderte Kinder unterstützt. Außerdem werde zukünftig eine staatliche Schule gefördert und das Gehalt von zwei Lehrern übernommen. Jaffé, die in Nepal lebt, stellte kurz auch ein geplantes Kanalprojekt in Pokhara vor. Dem Development Committee von Pokhara war ihrer Meinung nach die Bedeutung dieses Projektes jedoch nicht bewußt geworden, weshalb zur Zeit die Abfallbeseitigung in Pokhara ein Problem darstelle.

Ganesha?s Projects e.V., Waltraud Böttcher


Der 2001 gegründete Verein Ganesha?s Projects sei ein noch sehr junges Projekt von Nepal bereisenden Studenten. Eine Regierungsschule im Distrikt Chitwan sei im letzten Jahr mit Computern ausgestattet worden, und der Computerunterricht habe bereits zur großen Begeisterung der Kinder (47 Schüler/innen) und Eltern begonnen. Abends würden Interessierte den Raum nutzen, fuhr Böttcher mit ihrer Projektvorstellung fort. Die Nepalhilfe Aachen habe 1.500 Euro für die Anschaffung eines UPS-Systems gespendet, um die ständigen Stromausfälle überbrücken zu können. Als nächstes sei die Installation einer Solaranlage zur Sicherung der Stromversorgung geplant, nur mangele es bisher an ausreichend finanziellen Mitteln zur Planungsumsetzung, diese seien momentan fast aufgebraucht. Das Nachbardorf plant eine öffentliche Bücherei mit Computerzimmer einzurichten und bat um Mithilfe bei diesem Projektvorhaben. Weiterhin habe der Verein bereits Anfragen für ähnliche Projekte in anderen Ländern erhalten.

Health Post Himalaya, Thomas Zander


Die Patenschaft für den Health Post Himalaya entstand durch eine Reise nach Nepal und dem Gespräch zwischen den Trekkern und Sherpa. Bisher wurden der Sub-Health Post in Lukla und 199 die Hebammen-Ausbildung für eine junge Sherpani unterstützt und gefördert. Zielsetzung sei, weitere Projekte dieser Art zu finanzieren. Als problematisch empfand Zander die Projektkontrolle, d.h. das Überprüfen der Aktivitäten vor Ort. Thomas Zander hoffte auf die Unterstützung von anderen NGOs.

Kinderhaus Kathmandu, Lydia Schmidt


Das Kinderhaus Kathmandu biete scheinbar chancenlosen Straßenkindern Unterkunft in einem Wohnheim und eine Schul- und Berufsausbildung. 1995 Start mit fünf Kindern, In Budhanilkantha sei bereits ein Baugrundstück erworben worden. Die derzeitige politische Situation lasse jedoch den Bau eines zweiten Kinderheims momentan nicht zu. Die älteren Kinder seien vor kurzem ausquartiert worden, berichtete Schmidt. Die Hälfte der benötigten Lebensmittel werde auf eigenen Feldern erwirtschaftet. Kontakte zu oder Übergriffe der Maoisten habe es bisher nicht gegeben. Abschließend erwähnte Schmidt, daß zusätzlich auch 40 Dorfkinder mitgefördert würden.

Interplast e.V., Christa Drigalla


Interplast sei eine Vereinigung von plastischen bzw. rekonstruktiven Chirurgen, die sich für die Dritte Welt engagieren. Drigalla arbeitete zuerst in OP-Camps, dann stationär, um die Nachversorgung sicherzustellen. Der Schwerpunktbereich der Arbeit liege vor allem in der Behandlung und Hilfe für Verbrennungsopfer. Weiterhin unterstützt werden solle die Fortbildung nepalischer Ärzte und Schwestern, das Medical College/Council für Studenten, eine Zahnklinik mit ehrenamtlichen Zahnärzten, Physiotherapie, Krankenwagen für den Transfer im Kathmandutal und ein Gesundheitsaufklärungsprogramm. Die Erwähnung in Günther Jauchs Sendung STERN-TV und der überwältigende Spendenrücklauf habe sehr viel zur Ermöglichung des Krankenhausumbaus beigetragen. Drigalla vermutete, daß die besondere Preispolitik des Krankenhauses, in der nach Einkommen und Habe des Patienten abgerechnet werde, die Maoisten bisher davon abgehalten habe, sich einzuschalten. Allerdings merkte sie an, daß momentan viele Benzinbomben- und Opfer sonstiger Anschläge behandelt würden. Direkt an der Ausfallstraße nach Kathmandu befinde sich ein Camp der nepalischen Armee, schloß Drigalla ihren Bericht.

Arbeitskreis Trekking und Erlebnisreisen (ATE), Klaus-Peter Grätz


Die Mitgliederzahl des von der Krise im Tourismus erfaßten Zusammenschlusses deutscher Reiseveranstalter seien von 14 auf elf gesunken. Der ATE führe jährlich einen Clean-up-Trek zum Selbstkostenpreis in Nepal durch. Das Ziel des Treks, meinte Grätz, sei es, Müll zu beseitigen und zu lernen Müll zu vermeiden. Der Clean-up-Trek beinhalte ein viertägiges Camp in einem Bergdorf zur Aufklärung/Schulung der ansässigen Bevölkerung, insbesondere auch der Schulkinder, über die herrschende Müllproblematik in den Bergregionen. Bisher seien bei der Durchführung des Treks noch keine Probleme mit den Maoisten aufgetreten. Grätz betrachtete die aktuellen Entwicklungen mit großer Sorge, so habe der Tourismus, einst der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, einen 50 bis 70prozentigen Rückgang der Touristenanzahl verzeichnet. Da er selbst als Veranstalter tätig sei, war es für ihn besonders wichtig zu wissen, ob es nach Meinung des deutschen Botschafters überhaupt verantwortbar sei, Kunden eine Reise nach Nepal zu empfehlen. Die Beantwortung der Frage wurde auf die Diskussionsrunde verschoben. Der Botschafter verwies in dem Zusammenhang später auf die im Internet vom Auswärtigen Amt und der deutschen Botschaft veröffentlichten Sicherheitshinweise. Er räumte ein, daß besonders die kleineren und mittleren einheimischen Agenturen akut vom wirtschaftlichen Aus bedroht seien.

Kiran Kinderhaus e.V., Inge Busch


Inge Busch erläuterte, mit der Gründung des Kiran Kinderhauses das Konzept des Kathmandu Kinderhauses kopiert zu haben, und hoffte später einmal ebenfalls so erfolgreich zu werden. Zu Beginn beherbergte das Kiran Kinderhaus sechs Halb- bzw. Vollwaisen, inzwischen seien es bereits 16, skizzierte sie kurz die Projektentwicklungen.